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Editorial Juni 2017

Donnerstag, Jun 1, 2017

Deutschland ist mit seinen rund 82 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 357.376 k m2 durchaus als dicht besiedelt einzustufen. Die Vergangenheit hat bewiesen, dass das für die in freier Wildnis lebenden Tiere eine schwere Bürde bedeutete. Noch schlimmer für die Arten, die dem Menschen oder unseren Nutztieren gefährlich werden könnten, wie z.B. Bären oder Wölfe. Sie wurden ausgerottet oder vertrieben. Jüngstes Beispiel ist die Tragödie von Bär Bruno, den das Schicksal 2006 nach einer wahren Hetzjagd an der Rotwand am Schliersee in Bayern ereilte. Nun hat sich in den letzten Jahren durchaus eine mentale Veränderung ergeben. Wir sind im Allgemeinen wilden Tieren gegenüber wieder aufgeschlossener und vor allen Dingen rücksichtsvoller eingestellt. Und das hat z. T. überraschende Auswirkungen. Derzeit sind bundesweit nach Daten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und der Dokumentationsund Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) etwa 46 Wolfsrudel, 15 Paare und vier Einzeltiere unterwegs. Das entspricht 120 bis 130 erwachsenen Wölfen. Ca. 25.000 Biber, 1.200 Wanderfalkenpaare, Fischotter in der Elbe bei Hamburg oder Seeadler über bayerischen Gewässern scheinen für eine erfolgreiche Neuansiedlung der Tiere in Deutschland zu sprechen. Doch Artenschutzexperten  bleiben skeptisch: Zu unsicher ist, ob die 82 Millionen Menschen den Rückkehrern genug Raum lassen: Es ist bei vielen Arten fraglich, ob der Mensch auch in Zukunft seine jetzt positive Einstellung beibehält. Nichtsdestotrotz gilt die Rückkehr als Erfolg – schließlich lag der Bestand der Tiere noch vor wenigen Jahrzehnten bei nahezu Null. In Bayern gibt es erstmals seit mehr als einem Jahrhundert wieder Seeadler und in Hamburg sind wieder Fischotter zu sehen, die wohl vom östlich gelegenen Biosphärenreservat Schaalsee die Elbe hinaufgelangt sind. Wolf, Otter, Biber, Seeadler – für sie ist der Osten Deutschlands das wichtigste Refugium. Der Ost-West-Unterschied ist weiter sehr deutlich: In westlichen Regionen ist es eine immense Herausforderung, ungenutzte Flächen zu erhalten oder zu vergrößern. Dabei ist für den Artenschutz eine Vernetzung der Biotope wichtig, was beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern einfacher erscheint. Eines der größten Sorgenkinder deutscher Artenschützer ist die Großtrappe, einer der schwersten flugfähigen Vögel der Welt. Nur noch etwas über 230 Exemplare gibt es in Deutschland. Zwar sind erwachsene Tiere kaum in Gefahr – ein Hahn kann mit 18 Kilogramm fast so viel wiegen wie ein Reh – die Eier der Trappen werden jedoch eingesammelt und in menschlicher Obhut bebrütet. Denn für den Nachwuchs ist vor allem die angewachsene
Fuchspopulation eine große Gefahr, für den Fuchs sind die Eier sprichwörtlich ein gefundenes Fressen. Positiv auf andere Arten wirkt sich auch die Wiederansiedlung des Wisents aus. Mit ihm entstehen wieder lichte Wälder, in denen Bodenbrüter eine neue Chance bekommen. Diese insgesamt erfreulichen Entwicklungen und Veränderungen wären auch in der Gesundheitsbranche hochwillkommen. Besinnung auf Bewährtes, aufgeschlossen gegenüber Erneuerungen – eine gesunde Mischung ist die Lösung, die für jeden
lebensnotwendige Wirtschaftlichkeit, wenn alle Marktbeteiligten so denken, dann erleben auch wir
eine erfolgreiche Zukunft.