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Editorial September 2017

Freitag, Sep 1, 2017

Phänomene gibt es immer wieder, hier bei uns auf Mutter Erde, aber noch viel mehr im Weltall. Es klingt abenteuerlich und ist fast unglaublich: ein dunkles Loch, das alles auf mysteriöse Art und Weise in sich verschluckt. Astrophysiker nennen sie Schwarze Löcher, wissen aber nicht genau, wie sie diese Gebilde physikalisch beschreiben können. Sie entstehen, wenn ein sehr massereicher Stern seine Energie verbraucht hat und auf Grund der Gravitation in sich zusammenfällt. Gemäß der Relativitätstheorie verformt diese unglaublich verdichtete Masse den Raum und die Zeit so stark, dass alles auf Nimmerwiedersehen „verschluckt” wird. Hier
lauert ein großes Problem. Denn ein Schwarzes Loch wäre dann ja in der Lage, Informationen zu vernichten. Die Quantenmechanik behauptet aber, dass jede je dagewesene Information, sprich ursprüngliche Teilchenkonfiguration, stets aus den Endprodukten rekonstruiert werden kann. Was, wenn das Endprodukt aber einfach weg ist? Information würde dann unwiderruflich verloren gehen. Schon manch einen Physiker hat dieses Paradoxon an der Existenz von Schwarzen Löchern zweifeln lassen. Andere wiederum spekulieren, dass durch
eine sehr starke Verformung der Zeit und des Raums geschlossene Raumzeitschleifen entstehen könnten. Diese würden dann vielleicht Zeitreisen ermöglichen. Na endlich! Ist das alles visionäres Forschertreiben oder doch nur Science-Fiction? Schwarze Löcher bleiben ein ungeklärtes und faszinierendes Phänomen. Aus dem All prasseln ständig unzählige winzige Teilchen auf uns nieder. Darunter befinden sich auch ein paar wenige, die mit verblüffend hoher Energie hier anrauschen. Wissenschaftler waren bei deren Entdeckung im Jahr 1991 so dermaßen verblüfft, dass sie die Teilchen „Oh-My-God-Teilchen” beziehungsweise „OMG-Teilchen” tauften. Ihr Ursprung ist rätselhaft und ihre Energie erschreckend hoch: Sie übertrifft diejenige gewöhnlicher Teilchen aus
dem All um etwa das 20-Millionen-Fache. Von einem OMG-Teilchen getroffen zu werden, würde sich anfühlen, als bekäme man einen hart geschlagenen Baseball ab. Glücklicherweise sind die Teilchen sehr selten und werden zudem frühzeitig durch die Atmosphäre abgebremst. Die kosmische Strahlung stammt zumeist aus der Atmosphäre von Sternen, Supernova-Explosionen oder diversen hochenergetischen Prozessen. Als Ursprung für die OMG-Teilchen vermuten Astrophysiker bestimmte Galaxien oder Kerne von Galaxien, so genannte Quasare. Vor kurzem entdeckte man, dass die Teilchen tatsächlich aus der Richtung eines bestimmten Galaxienhaufens zu kommen scheinen. Stammten die Teilchen aber wirklich von dort, würden sie auf ihrer Reise zur Erde zu viel Energie verlieren und hier nicht mit dieser rasanten Geschwindigkeit ankommen – also schon ein phänomenaler
Widerspruch. Auch die Politik mutet ja mitunter phänomenal an, sowohl positiv als aber auch negativ. In diesem
Monat findet die Bundestagswahl statt – die einen rechnen mit gravierenden Veränderungen, andere meinen, sehr viel ändern kann sich ja nicht und entscheiden für sich, besser gar nicht erst wählen zu gehen. Und wundern sich dann, wenn aus unserer Wahl wie beim Brexit ein „Oh-My-God-Ergebnis“, beziehungsweise „OMG-Ergebnis“ herauskommt…Also, gehen wir doch besser zur Wahl.