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Editorial Oktober

Sonntag, Okt 1, 2017

die Datierung einer alten indischen Handschrift beweist recht eindeutig, dass mit der Null in Indien bereits 300 v. Chr. gerechnet wurde. Die Zahl Null wurde also bereits vor mehr als 2000 Jahren in Indien verwendet. Das haben jetzt Wissenschaftler im britischen Oxford herausgefunden. In Europa wurde sie erst viel viel später, im frühen 13. Jahrhundert von dem Mathematiker Leonardo Fibonacci etabliert. Das mutet abenteuerlich an, da die Null in
der Mathematik eine ganz besondere Rolle spielt. Sie ist die Schnittstelle zwischen dem Positiven und Negativen, die Zahl, durch die man nicht teilen kann, aber die ansonsten das praktische Rechnen überhaupt erst ermöglicht. Gemeinsam mit der Zahl Eins spielt die Null heute sogar die zentrale Rolle im Digitalzeitalter, in dem letztlich alles zu Nullen und Einsen gerinnt – Texte, Musik und Daten aller Art. Keinesfalls kommt der Null eine geringere Bedeutung als all den anderen Zahlen zu. Das war nicht immer so, die Null war sogar eine Spätgeburt. Längst hatten sich die natürlichen Zahlen etabliert, da fehlte im mathematischen Denken noch das "Nichts". Die deutsche Bezeichnung Null leitet sich übrigens vom lateinischen Wort "nullus" (keiner) ab. Die noch heute verbreiteten römischen Ziffern kennen kein Symbol für die Null. Die war bei den alten Römern nicht vorgesehen, genauso  wenig wie bei den weisen Griechen in der Antike. In Europa gab es offenbar keinen Sinn für das Nichts, das nicht Vorhandene. Die Babylonier, die Maya und auch die Inder hatten die Null längst erfunden, als die Europäer von dieser Zahl noch nichts ahnten. Die Null erreichte den europäischen Kontinent zuerst in Spanien. Die Araber, die damals Südspanien beherrschten, hatten die Null aus Nordafrika mitgebracht. Noch heute sprechen wir ja von den
arabischen Zahlen, wenn wir unsere Ziffern 0, 1 … bis 9 meinen. Eigentlich müssten wir sie indische Zahlen nennen, denn die Araber haben die Null und die anderen Ziffern nicht erfunden. Sie haben ihren Ursprung vielmehr in Indien. Der Mönch Gerbert von Aurillac, der spätere Papst Silvester II. soll sich in Córdoba, verkleidet als Araber, über die Bedeutung der Zahl Null informiert haben. Etabliert wurde die Null in Europa aber erst durch den Mathematiker Leonardo Fibonacci, dersie 1202 in seinem Werk "Liber abaci" einführte. Das war in Italien. Doch für Fibonacci war die Null nicht gleichwertig mit den anderen Zahlen. Die Null bezeichnete er nicht als Zahl, sondern als Zeichen. Und so hatte es wohl historisch auch mit der Null begonnen. Zunächst war sie einfach ein Leerraum zwischen Zahlen gewesen, um anzudeuten, dass an dieser Stelle nichts war. Später wurde aus dem 
Leerraum ein Punkt und irgendwann erhielt dieser Punkt ein Loch, sodass sich das heutige Symbol für die Null entwickeln konnte. Diese kleine Reise durch die Geschichte der Null zeigt wieder eindrucksvoll, dass vieles in unserer Welt erst entdeckt oder auch erforscht werden muss. Für Wissenschaftler ist das eine  Selbstverständlichkeit, für Otto Normalverbraucher wohl nicht immer. Selbstverständlich sollte es sein, sich
immer Neuerungen und Veränderungen aufgeschlossen gegenüber zu zeigen. Ganz besonders gilt das in unserer Medizinbranche. Zuviel Bürokratie oder hohe Hürden bei einer Markteinführung hemmen die erforderliche Dynamik in der Entwicklung unserer Möglichkeiten. Das kann niemand wirklich wollen.