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Editorial April

Sonntag, Apr 1, 2018

wir sind es mittlerweile ja gewohnt, mit Phänomenen aller Art recht gelassen umzugehen, das ist bei der Fülle der auf uns niederprasselnden Informationen in der breiten bunten Medienwelt auch gut so. Nicht alles ist wahr oder echt, vieles muss man relativieren. Aber hier und da gibt es zuweilen Nachrichten, die dann schon zu denken geben. Beispielsweise das Thema der Lichtverschmutzung. Was ist das denn nun schon wieder, werden viele erstmal fragen. Ohne zusätzliches künstliches Licht stünde es ziemlich düster um uns Menschen. Kein einigermaßen zivilisiertes Leben, wie wir es heute kennen, kein technischer und wissenschaftlicher Fortschritt wären ohne das Phänomen denkbar, das der britische Physiker James Clerc Maxwell vor rund 150 Jahren als Zusammenspiel von oszillierenden elektrischen und magnetischen Feldern enträtselte. Doch was des einen Freud, ist bekanntlich des anderen Leid. Denn die elektrischen Lichtquellen sind auch der Grund dafür, dass es in vielen Großstädten keine Dunkelheit mehr gibt. Rund um die Uhr laden Shopping-Malls und Galerien zum nächtlichen Bummeln ein, Gebäude, Plätze und Straßenzüge sind auch in finsterer Nacht hell erleuchtet. Von greller Leuchtreklame und Videoleinwänden ganz zu schweigen. Um rund sechs Prozent nimmt jährlich die Beleuchtung weltweit zu, schätzen Experten. Bereits jetzt kann aufgrund künstlicher Beleuchtung gut ein Drittel der Weltbevölkerung nachts die Milchstraße nicht mehr sehen. Viele Menschen werden deshalb wahrscheinlich gar nicht wissen, was das überhaupt ist. So ist die Lichtverschmutzung schon längst nicht mehr nur ein Problem von Astronomen, die trotz lichtstarker Optiken das Flackern der Sterne nur noch fernab der Städte beobachten können.
Wie stark die künstliche Beleuchtung den Nachthimmel mittlerweile rund um den Globus erhellt, dokumentiert eindrucksvoll der Weltatlas, den eine internationale Forschergruppe in der Online-Zeitschrift „Science Advances“ vorstellt. Der Atlas zeigt, dass weite Teile der Erde förmlich im Licht zu baden scheinen. In Europa, vor allem in Westeuropa und auch in Nordamerika seien von der Lichtverschmutzung bereits bis zu 99 Prozent der Menschheit betroffen. Wer also in Europa in der Nacht nach echter Dunkelheit sucht, findet sie noch am ehesten in Schottland, Schweden und Norwegen. Der Nachthimmel erstrahlt in vielen Teilen der Welt heute mehrere hundert Mal so hell, als noch vor der Einführung der künstlichen Beleuchtung. Eine Ursache für dieses als „Skyglow“ bezeichneten Phänomens sind auch die Wolken, die einen Großteil des abgestrahlten Lichts wieder reflektieren. Daraus darf nun gefolgert werden, dass es wohl ratsam wäre, ab und zu mal abzuschalten. Wobei das natürlich nicht nur auf das Licht reduziert werden sollte. Gönnen Sie sich regelmäßig Ruheintervalle, damit Körper und Geist wieder auf Normalniveau kommen. Keinem nützt es in letzter Konsequenz etwas, wenn negativer Stress und Burnout-Symptome unser Handeln beeinflussen. Genießen Sie doch einfach jetzt den Frühling, oder versuchen Sie es zumindest einmal.