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Editorial August

Mittwoch, Aug 1, 2018

aktuell befinden wir uns also mitten im Sommer, im Hochsommer, mit den heißesten Temperaturen für die nördliche Halbkugel, die man sich vorstellen kann. Oft wird in diesen Tagen auch vom Sommerloch gesprochen, aber woher kommt dieser Begriff eigentlich und was ist damit gemeint? Ist es der Umsatzrückgang in den Geschäften, weil halb Deutschland im Ausland Urlaub macht und dort das Geld ausgibt und eben nicht hier? Ja, vielleicht auch ein bisschen. Allerdings hat das Sommerloch ursprünglich eine ganz andere Entstehung. Es ist eine Bezeichnung in Bezug auf die Massenmedien, vor allem der Tagespresse und der Nachrichtenagenturen. Die nachrichtenarme Zeit, die vor allem durch die Sommerpause der politischen Institutionen und vielfach des Sports entsteht, ist die Ursache des Sommerlochs. Viele Politiker befinden sich im Sommerurlaub, der Bundestag tagt nicht, es finden weniger politisch relevante Ereignisse und Termine statt. Sportvereine haben in dieser Zeit kaum bedeutsame Spiele oder Wettkämpfe. Der „Nachrichtenumsatz“ der Presseagenturen geht daher spürbar zurück. In dieser in der Regel nachrichtenarmen Zeit berichten die Medien dann gern über Ereignisse und Personen, für die sonst keine Sendezeit und kein Platz in den Zeitungen zu finden ist. Oder es werden häufiger vermeintliche  Sensationsmeldungen ohne echten Nachrichtenwert vermeldet, die sich dann aber als sogenannte Zeitungsenten, neudeutsch Fake, entpuppen. So entstanden auch die sogenannten Sommerlochtiere. Diese Bezeichnung ist eine Umschreibung für Tiere, die während des nachrichtenarmen Sommerlochs zum Gegenstand der Berichterstattung in Nachrichtenmedien werden. Das langlebigste und weltweit bekannteste Sommerlochtier dürfte das Ungeheuer von Loch Ness sein. Die meisten Zeitgenossen, die einmal vor Ort waren oder sind, hoffen natürlich, dass Nessie dann auftaucht, wenn man selber gerade da ist. Aber diesen Gefallen erweisen einem die Sommerlochtiere in der Regel nicht. Andere typische Beispiele sind entlaufene oder ausgesetzte, nichteinheimische Wildtiere, von denen
eine potentielle Gefahr für Menschen ausgehen könnte. In manchen Jahren fanden diese kuriosen Geschichten über etliche Tage, ja sogar Wochen hinweg höchste Aufmerksamkeit. Im Sommer 1982 trieb sich beispielsweise über mehrere Wochen im Süden Dänemarks angeblich ein Puma herum. Die dänische Polizei begab sich erfolglos auf die Jagd nach dem Tier. 33 Jahre später wurde noch einmal ein solcher Puma gesichtet. Diesmal versuchte sich die deutsche Polizei in der Grenzstadt Flensburg beim Stadtbezirk Friedenshügel als Jäger der verlorenen Katze. Vergeblich. Weitere Beispiele solcher Sommerlochtiere sind der Brillenkaiman Sammy (1994), der allerdings nur durch die Berichterstattung Angst und Schrecken verbreitete, der bedauernswerte Bär Bruno (2006) oder das Leistenkrokodil Max (2015) und viele andere. Das sangro-Team dagegen hat bekanntlich was Reales gegen das Sommerloch. Wir versorgen Sie zu jeder Jahreszeit mit Guten Nachrichten, erst recht im August. Aufgrund der Vielzahl der Angebote, die uns vorlagen, haben wir uns entschieden, diese Ausgabe 20 Seiten stark werden zu lassen, statt wie gewohnt 16 Seiten. Also, nichts mit Sommerloch – viel Spaß beim günstigsten Einkauf.