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Editorial September

Samstag, Sep 1, 2018

im September treten wir bekanntlich in die dritte Jahreszeit ein, den Herbst. Nach einem ungewöhnlich heißen
Sommer hoffen jetzt die meisten auf gemäßigtere Temperaturen, aber ebenso auf einen schönen  Altweibersommer. Und was bedeutet der Begriff Altweibersommer nun eigentlich? In Wikipedia steht dazu: „Altweibersommer ist in deutschsprachigen Ländern die Bezeichnung für eine meteorologische Singularität. Es
handelt sich um eine Phase gleichmäßiger Witterung im Spätjahr, oft im September, die durch ein stabiles Hochdruckgebiet und ein warmes Ausklingen des Sommers gekennzeichnet ist. Das kurzzeitig trockenere Wetter erlaubt eine gute Fernsicht, intensiviert den Laubfall und die Laubverfärbung.“ Heißt das im Umkehrschluss „Altweibersommer“ steht für Single und spät, Fall und Färbung? Wohl eher nicht. Nach einer Theorie leitet sich der Name von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Der Flugfaden, den die Spinnen produzieren und auf dem sie durch die Luft schweben, erinnert die Menschen an das graue Haar alter Frauen. Mit „weiben“ wurde im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Andere Begriffe für das Phänomen der milden Herbsttage kann man einfacher deuten, sie sind jedoch zum Teil lediglich weitere
sekundäre Interpretationen der – unsicheren – Urbedeutung. So nennt man in norddeutschen Dialekten den Altweibersommer Mettkensommer und ähnlich, nach den Altweibersommerfäden Metten, Mettken oder Mettjen. Dabei liegt eine Verkleinerungsform von Made vor, das heißt, man hielt sie für Raupengespinste. Wegen der lautlichen Ähnlichkeit wurde dieser Begriff wohl volksetymologisch zu Mädchen umgedeutet. Bevor nun übereifrige Feministinnen über rechtliche Schritte nachdenken, hier ein Beitrag zur Entschärfung etwaiger Entrüstung: Das Landgericht Darmstadt hat im Jahr 1989 festgestellt, dass die Verwendung des Ausdrucks Altweibersommer durch die Medien keinen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Damen (…und schon gar nicht von Mädchen) darstellt. Der Herbstanfang selbst unterscheidet den meteorologischen und kalendarischen Beginn. Die meteorologischen Jahreszeiten wurden einfach auf Grund eines  internationalen Abkommens festgelegt, wobei der Herbst demnach am 1. September beginnt. Die meteorologischen (auch astronomischen) Jahreszeiten sind variabel, je nach Sonnenstand. Diese Einteilung ist auf die Position der Erde im Verhältnis zur Sonne gegründet und hängt vom Grad der Neigung der Rotationsachse der Erde ab. Dazu kommt das Ereignis der Tages- und Nachtgleiche. Es ist an jeweils 2 Tagen im Jahr genauso lange hell wie dunkel. Einmal im März zum Frühlingsbeginn und jetzt bald zum Herbstbeginn, dieses Jahr genau am 23. September um 03.54 Uhr MESZ. Die Sonne „wandert“ von der Nordhalbkugel  der Erde auf die Südhalbkugel. Laut astronomischer Definition markiert dieser Moment den Beginn des Herbstes nördlich des Äquators und den Beginn des Frühlings südlich davon.
Freuen wir uns also – ganz unwissenschaftlich – auf ein paar angenehme Tage im Altweibersommer, gefolgt von einem hoffentlich ebenso schönen Goldenen Oktober.