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Editorial November

Donnerstag, Nov 1, 2018

mit der Marke Hansaplast verbindet jeder das gemeine Pflaster schlechthin. Dem ist ja auch so – nur wenige Marken können auf eine solche Entwicklung und auf solch einen Bekanntheitsgrad (weit über 90%) zurückblicken. 
Es gilt hier eine alte Marketingweisheit: Je älter eine Marke wird, desto höher sind die Chancen, dass daraus Kult entsteht. Im März 2016 haben wir Ihnen die sagenhafte Erfolgsstory von Tesa vorgestellt, ebenfalls ein Produkt aus dem Hause Beiersdorf. Und das ursprüngliche Produkt Tesa wurde das spätere Hansaplast: „…Tesafilm wurde „geboren“ bei dem Versuch, ein gut klebendes und hautverträgliches Pflaster zu entwickeln. Das Produkt, welches in den späten 90er Jahren des 19. Jahrhunderts entstand, haftete sehr gut – führte aber leider zu Hautreizungen“. Wie alles begann. 1882, als der Hamburger Apotheker Carl Paul Beiersdorf ein Pflaster patentieren lässt, das er mit dem Hautarzt Paul Gerson Unna erfunden hat. Beiersdorf hat heute einen Standort in Hamburg in der Unnastraße. Somit wird also nicht die Stadt in NRW geehrt, sondern der gleichnamige Dermatologe und Wegbegleiter von Beiersdorf. Das Pflaster besteht aus in heißen Salben getränktem Mull und Kautschuk als Trägermaterial. Oscar Troplowitz, der die Firma 1890 übernimmt, will es zum Kleben bringen. Das Klebeband, das er mit Unna entwickelt, ist allerdings wegen seiner starken Haftung für die menschliche Haut ungeeignet. Es wird ab 1897 für technische Zwecke vermarktet und später unter dem Namen Tesa weltberühmt. 1901 gelingt Troplowitz das erste selbstklebende Zinkoxid-Kautschuk-Pflaster, das er Leukoplast nennt. Es ist gut verträglich und wird zur Fixierung von Wundauflagen verwendet. 1922 kommt es dann zur entscheidenden Verbindung eines selbstklebenden Pflasters mit einer Mullauflage. Hansaplast setzt sich nicht zuletzt dank pfiffiger Werbung schnell durch. Eine berühmte Frau, die u.a. für die Marke textet, ist Elisabeth Heuss-Knapp, Ehefrau des späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss: "Jederzeit hab' zur Hand: Hansaplast Schnellverband."
Ein weiteres „Pfund“ ist der kultig anmutende Name von Hansaplast. So ein wenig erinnert er ja an DDRZeiten, warum auch immer. Bestimmt nicht, weil Apotheker Beiersdorf ursprünglich aus dem Brandenburgischen stammte. Ein weiteres Highlight für Hansaplast dürfte gewesen sein, als sich die deutsche Punkband 1978 den Namen Hans-A-Plast gab. Aus Marketingsicht sind Pflaster erst einmal ja kein so leichtes Thema. Die Anlässe, sie zu verwenden, sind eher unerfreulich, deshalb umgarnt Beiersdorf seit jeher Kinder mit lustigen Motiven auf den Klebestreifen. Sie lassen sich dann lieber verpflastern und der Name Hansaplast in Verbindung mit tröstenden Müttern wird früh im Bewusstsein verankert. Dennoch, der Bedarf an der klassischen Ware hier und in anderen wohlhabenden Ländern sinkt heutzutage: Das Leben wird immer sicherer, Kinder werden behütet wie nie. Daher werden ständig Neuheiten entwickelt: Pflaster, die die Heilung beschleunigen, oder solche für Herpes-Bläschen bis hin zu Fersen- und Sprühpflastern. Man muss sich keinerlei Sorgen um den Konzern Beiersdorf machen, es gibt da ja noch eine weitere Weltmarke im Programm: Nivea. Schauen wir mal, vielleicht kommen wir ja irgendwann und irgendwie in der Pflege damit zusammen.